Warum fasten Menschen?

Im Unternehmen, der Philosophie und den Weltreligionen

von Charlotte Jeroma

Anfang März begann die Fastenzeit

Die aktuell andauernde Fastenzeit richtet sich vor allem an das Christentum und dauert 40 Tage bis Ostern an. Allerdings ist das Fasten eine Tradition, die zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit gehört und sich in allen großen Weltreligionen: Islam, Judentum, Christentum, Buddhismus, Hinduismus und Bahai, wie auch in der zeitgenössischen Philosophie wiederfindet.  

 

Zum aktuellen Thema habe ich mich gefragt:

Warum fasten wir Menschen?

Was können wir als Unternehmer*innen hiervon lernen?

 

Diese Fragen sollen im folgenden Text beantwortet werden.

Als ich die Tradition des Fastens im Internet recherchiert habe, kam ich zu Schlussfolgerungen wie zum Beispiel: Menschen fasten, um …

… Buße für Missetaten zu tun

… sich selbst der Maßregelung zu unterziehen

… von Luxus und Genuss abzulassen

 

Religion & Philosophie

In der Religion sollen durch das Fasten vor allem Werke der Nächstenliebe, z.B. durch Spenden oder das Fastessen, verbreitet werden. Das Fastessen meint den Verzicht auf den „Sonntagsbraten“. Statt des Sonntagsbratens wird z.B. ein einfacher Eintopf gekocht und/oder an ein gemeinnütziges Projekt gespendet.

In der Philosophie wie auch in der Religion findet man Menschen, die der Askese nachgehen. Die Askese bezeichnet eine Übungspraxis im Rahmen von Selbstschulung, die aus philosophischer oder religiöser Motivation heraus entsteht.

Asketische Lebensformen, z.B. das religiöse Fasten, in unterschiedlichen Abstufungen, sind zwar nicht jedermanns/-fraus Sache und sorgen doch gleichzeitig auch für Bewunderung.

 

Die Tradition als Trainingsprogramm

Alles in allem nahm ich aus meiner Recherche mit, dass es bei den Bräuchen der Enthaltung oder Abstinenz um das Aufbrechen eigener (vielleicht liebgewonnener) Gewohnheiten und um die bewusste Reduktion von übermäßigem Konsum geht. Durch die selbst gesteuerte Reduktion entsteht ein Gefühl der Wertschätzung gegenüber dem, was fehlt.

Hierin liegt für mich die Essenz der Tradition: sie führt zu einer Art individuellem und selbst gesteuerten Trainingsprogramm, welches uns guttut und uns die Dinge nochmal anders wertschätzen lässt.

 

Die Essenz der Tradition: sie führt zu einer Art individuellem und selbst gesteuerten Trainingsprogramm

Foucault, ein französischer Philosoph, deutete dieses Trainingsprogramm, als eines für Geist und Körper. Es führt zur Selbstermächtigung, Selbstregulierung und Einübung von neuen Verhaltensmustern. Der Mensch ermöglicht sich, sich eine Zeit lang vom „normalen“ Leben abzugrenzen. Somit kommt sie oder er zu einem schärferen Fokus für das Leben was sie/ er eigentlich führen will und für die Welt.

Laut Philosophie Magazin sorgt keine andere Kulturtechnik besser dafür, „[…]dass wir wieder mit einer der fundamentalen Facetten unseres Menschseins vertraut werden: der Erfahrung und dem Wissen, was „leer“ und was „voll“ bedeutet.“ (Schreiber, 2018).

 

"Fastende" Unternehmen

Vermutlich fragst Du Dich jetzt:

Ein fastendes Unternehmen? Wie soll das gehen?

Wenn wir das Fasten als ein Trainingsprogramm betrachten, so können wir dieses hervorragend auf gewinnbringende externe und interne Prozesse unseres Unternehmens übertragen. In diesem Kontext betrachten wir das Trainingsprogramm als eine Aktivität, die zur kontinuierlichen Verbesserung unternehmerischer Tätigkeiten und einer positiven Regulierung (für Unternehmen, Gesellschaft und Individuum) führt.

 

Das Trainingsprogramm als eine Aktivität, die zur kontinuierlichen Verbesserung unternehmerischer Tätigkeiten führt.

Denk zum Beispiel an ein produzierendes Unternehmen: Wenn meine Produktionsprozesse in z.B. Verschwendung von Rohmaterialien münden, ist das a) für mich als Unternehmen nicht gut und b) ebenfalls nicht für meine Umwelt. Wenn ich mir ein „Trainingsprogramm“ für die Optimierung meiner Produktionsprozesse überlege, könnte ich hiermit nicht nur Rohmaterial sparen, sondern somit auch meine Umwelt schonen – auf einem generischen Level erklärt, lässt sich dieser Gedanke/ dieses Trainingsprogramm auf viele weitere gewinnbringende Geschäfts(-problem)bereiche übertragen.

Welche Ideen kommen Dir, wenn Du an diese Art von „Trainingsprogramm“ denkst?

Wie könnte sich dieses positiv auf die Reputation Deiner Marke auswirken?